Money makes the world go around #1

Tscha, das liebe Geld. Eigentlich der Mammon, dem man im eigenen Leben nicht anhängen darf. Aber wichtig in der Freikirchenszene.

Dazu muss man wissen, dass Freikirchen von freiwilligen Spenden ihrer Mitglieder getragen werden. Im Allgemeinen sind das “gemeinnützige” Vereine. So wie Kaninchenzüchter oder Männergesagsverein. Die Spenden sind steuerlich absetzbar. Also nicht wie bei der “staatlichen” katholischen oder evangelischen Kirche ein Prozentsatz der Lohnsteuer/Einkommenssteuer sondern 5-10% des Einkommens werden erwartet, argumentiert mit Stellen aus dem Alten Testament.

Der Unbedarfte fragt jetzt “Vom Brutto oder vom Netto?” und die typische Antwort lautet in den Kreisen: “Willst Du Brutto- oder Nettosegen?”. Schon klar was man will.

Nein, das muss man nicht man kann das machen, imm Allgemeinen gibt es eine Karenzzeit bis man geläutert ist. Wirklich. Kein Druck. Ganz entspannt. Aber im Reich Gottes gelten eigene Regeln und Kosten.

In 2013 hat die eccu.org eine Umfrage in den Kirchen gemacht, wofür das Geld ausgegeben wird. ECCU ist die “Evangelische Kreditgemeinschaft” welche die evangelikalen Kirchen in den USA betreut. Wenig erstaunliches tritt zu Tage:

Quelle: ECCU.org via Archive.org


Zwei der wichtigsten Posten sind also Gebäude und Pastor. Weil die braucht man unbedingt um “Kirche” zu sein. Zusammen zwischen 74 und knapp 90 Prozent. Für die Programme und den “Worship” (die Band vorne) bleiben maximal 9% übrig.

Wenn man das mal nachrechnet, sieht es in Deutschland auch nicht besser aus.

  • Der Pastor mit Familie kostet 4.000 mtl. Brutto inkl. Lohnnebenkosten, als Pastor wird man nicht reich
  • Das Gemeindegebäude mit NK/BK, ca. 2.000€/mtl.

Sind PiDaumen 72.000€ Kosten im Jahr. Die typische Gemeindegröße im charismatischen Bereich liegt zwischen 60-100 Mitglieder. Jahaaa, aber… die Damen haben sich ja generell dem Nachwuchs verpflichtet, obwohl sie eignetlich im HIntergrund die “Gemeinde” managen. Also Nettozahler sind vorwiegend 30-50 Männer. Macht pro Mann/Familie 1440-2400€ pro Jahr.

Dafür ist es natürlich nötig die aktiven Beitragszahler bei Laune zu halten. Es bleiben 2 Möglichkeiten: Umschmeicheln oder Druck, Zuckerbrot und Peitsche. Mit “Umschmeicheln” hatte es unsere Gemeinde nicht, also wurde theologischer Druck (“Du bekommst das 100-fach von Gott erstattet”) und gruppendynamischer Druck (“Guck mal, der macht das auch!”) aufgebaut.

Da vorwiegend die Männer die Verdiener waren wurden dann auch mal spontan Männerabende eingeschoben, wo man sich unter dem “Wort” versammelt hat, einen Seelenstriptease macht (“Ich fühl mich so schlecht ich habe XXX geschaut”), ins faule Ei geschmissen wurde, bebetet wurde und danach ging man erleichtert aber sturznüchtern nach Hause. Aus der resultierenden Freude (“Ich bin jetzt frei von XXX!”) ergab sich dann auch eine höhere Spendenbereitschaft.

Und wenn Du denkst, das war alles: Weit gefehlt. Es kommat noch: Das OPFER. Es muss finanziell richtig weh tun, dann wirst Du von Gott belohnt. Sagt keiner wirklich, aber dieses Augenzwinkern schwingt bei jedem Opferaufruf mit. “Wer viel sät, wird viel ernten!”

Das Opfer läuft immer außerhalb der regelmäßigen Spenden und oft für einen konkreten Zweck (neue Stühle, eine Hochzeit, Flüge für die Pastoren, so dass die den Segen weitergeben können…). Also z.B. Sonntagsmorgens oder Samstagabends. Oder wenn der gesalbte Prediger aus Süddeutschland seine Reisekostenerstattung bekommen musste. “Süddeutschland” ist noch das harmloseste. Bei uns war es immer “Südafrika”. Also Highlight dann immer Sonntagsmorgens nach dem 3-Tägigen Seminar mit 5 Gottestdiensten à 2-4 Stunden: Das: Sonderopfer um den Prediger zu segnen. Montags war man froh wenn man wieder zur Arbeit durfte.

Also es dreht sich dabei sehr viel um Geld. Aber leider nur für die eigenen Zwecke. Mildtätigkeit ist in den meisten Fällen Fehlanzeige. Als Kinderstunden-/Sonntagsschul- oder Jugendmitarbeiter haben wir alle Materialien aus eigener Tasche bezahlt. Bei Nachfragen gab es nur ein Stirn-/Augenrunzeln: “Meinst Du nicht dass…”

Mildtätigkeit wird erst dann wieder wichtig, wenn das Finanzamt beschließt dem Selbstbefriedigungsbetrieb “Evangelische Freikirche” die Gemeinnützigkeit zu entziehen, weil da in den letzten Jahren nichts mit Mildtätigkeit war, sondern alles dem Eigenerhalt geopfert wurde, beispielsweise durch neue Räumlichkeiten.

Der ganze Spaß hat uns über knapp 15 Jahre hinweg ca. 50.000€ gekostet. Das Geld wurde verbrannt. Es ist nicht so, dass ich das bereuen würde, immerhin habe ich das mitgemacht und ich glaube auch dass immer 2 für so etwas nötig sind.

Allerdings hat das ganze Geld, was in das “Reich Gottes” investiert wurde, keine Auswirkungen gehabt. Keinerlei.

Bloß das ganze Gefasel vom Durchbruch und der eigene Anspruch wurden konsequent konterkariert.

Zur Ehrenrettung muss man sagen: Es hat sich auch keiner persönlich bereichert. Nur alles verbrannt.