Sollte Gott gesagt haben…?

Mit diesem biblischen Zitat aus Genesis 3: 1 beginne ich meinen ersten Blogeintrag. Denn dieser Satz ist in gewisser Weise grundlegend – sowohl für den christlichen Glauben, als auch über lange Zeit für mein eigenes Leben. In der Bibel steht er für die Versuchung durch Gottes Widersacher. Dieser möchte seit jeher den Menschen durch Zweifel von Gott abbringen. Mich hat diese Frage ebenfalls lange beschäftigt.

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4 Jahre in einer Sekte Namens Vineyard

12 Wochen stationäre Therapie liegen hinter mir. 2 mal 4 Wochen liegen noch vor mir. Zwischendurch alle 2 Wochen zum Psychonauten. Leider, so hatte ich gedacht, reicht es nicht den Keller aufzuräumen, das Fundament musste neu gegossen werden. Der Bauherr merkt dann, dass das Haus schief steht, rückt hier an einer Wand, fummelt dort am Dach und merkt dann, die Bude bricht zusammen. Und nun ? In den Trümmern leben ? Den Schutt wieder aufbauen. Es würde doch wieder einstürzen. Schade um das neue Fundament. Der kluge Bauherr räumt den Schutt weg und baut auf das neue Fundament ein neues Haus. Letzendlich wäre ein Einsturz nach einer gewissen Zeit wiederum Posttraumatisch. Ich habe diese CD`s : “ Im turning in circles, right this heart of stone and the light move around me, I live in the twilight…” weggeschmissen und die Lebenseinstellung die dahinter war gleich mit.

Dem pfingstlich-charismatischen Christentum war ich ja schon längere Zeit zugeneigt. Da will ich gar nicht ausholen warum, gesagt sei nur, das der Traumatisierte ansich, die Neigung hat hat, sich bei dem Versuch der Heilung zu retraumatisierten und/oder der Mensch mit der Folgerkrankung aus den vielen, vielen früh-mittel und spätkindlichen Traumata sich immer wieder in Autoritäre oder Abhängigkeitsstrukturen begibt. Bitte möglichst radikal. Autoritär. Und was kann bitte Radikaler sein als Menschen die von Gott berufen sind Kranke zu heilen, die Welt zu retten, den Heiligen Geist weiterzugeben und deshalb von ihren Anhängern den absoluten Autoritätsanspruch bekommen. Die dürfen auch Alles, besonders Fremdgehen, dass ist das Lieblingshobby der charismatischen von Menschen gemachten Götter.

Ich habe Live gesehen wie diese “Götter “ Menschen auf den Boden schlugen, meine Freunde beschimpften und anderen den Kontakt zu mir verboten, weil eine bestimmte Kirche den Geist nicht hatte. Und ich sehe diese Leute heute noch ab und zu auf facebook verlinkt, weil sie wieder mal eine “ Vision “ von Gott bekommen haben. Und all die tausende, die das Glauben. heidenreich, Bently, Wommack und wie die alle heissen.

Wie dem auch sei. Lange Zeit war ich mehr oder weniger Beobachter des ganzen. Mein Prophet, Heiliger Gesandter, Sprachrohr Gottes oder wie man das auch immer nennt, wurde dann ein Mann Namens John Wimber und sein noch lebendes Sprachrohr Martin Bühlmann. Kurz zur Geschichte : Bühlmann kniete irgendwann vor Wimber als er noch lebte und sagte er wolle dessen Segen haben. Nun ja, wie die Geschichte sagt, bekam er diesen und dass genügte zum Papst zu werden. Also zumimndest zum Papst über die sogenannten Vineyard Gemeinden in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Und Trommelwirbel, Vorhang auf, es entstand eine weitere Sekte nach Schema F. Wir haben ja schon : Ellen G.White-Adventisten, Watchtower Org.-Zeugen Jehovas, Ron Hubard-Scientology und jetzt noch Wimber-Vineyard. Vertreten durch Bühlmann. Also Bühlmann, weil die ihre Führung in der Familie vom Vater zum Sohn weitergeben.

Wie alle diese Vereinigungenn gibt es neben Führern und Propheten natürlich auch Lehren. Diese Lehren vom jeweiligen Propheten werden vom Führer weitergegeben. Oder von seinen Getreuen, die sich, wie könnte es anders sein, wiederrum auf Führer und Prophet berufen. Diese Lehren sind meist “neue Entdeckungen. “, “Prophezeiungen “, “ Offenbarungen “ oder ähnliche Superlative. So auch die Lehre von Vineyard, die ich ziemlich intensiv mitbekommen habe, da ich deren 2 jährige Leiterschule besucht habe. Kurz zusammengefasst geht die Lehre so : Gott ist willkürlich. Es gibt ein “ Schon jetzt “ und ein “ Noch nicht “ eingreifen Gottes. Was er wann macht steht ihm völlig frei und wir haben keinen Einfluss dadrauf. Unsere Aufgabe ist es, möglichst viele Leute davon zu überreden, dass dies so ist, sie in eine Vineyard Gemeinde zu locken und davon zu überzeugen, dass Wimber total toll war und Bühlmann sein Prophet ist. In der Zeit wo du dir das dann Alles anhörst, kannst du natürlich viel, viel Geld ausgeben. Eigene Bücher, eigene CD`s , eigene Veranstaltungen und natürlich den Zehnten Teil deines Einkommens. Eine sogenannte Vineyard Leiter Konferenz kostet für zweineinhalb Tage mehrere Hundert Euro. Da wirst du auch noch von Bühlmann von der Bühne angesprochen, dass das keinesfalls zu teuer ist und du ja jeden Monat Geld zurücklegen kannst. Dann redet er eine halbe Stunde darüber die Armen in der Gesellschaft zu erreichen, zwei Stunden über John Wimber und weitere zwei Stunden über sich und seine Familie. Amen.

Du hast das zu fressen. Wie in jeder autoritären sektiererischen Struktur wird geglaubt was von oben vorgegeben wird. Und es gibt natürlich “den” Propheten. Und alles was danach kommt ist sein Sprachrohr.

4 Jahre war ich dabei. Vielleicht auch 5, ich weiss es nicht mehr so genau. Wie bei allen Sektenaussteigern brach der Kontakt abrupt ab. Naja, es war eine Zeit in der es mir sowieso gerade sehr schlecht ging. Da wollte man mich wahrscheinlich nicht mit Nachfragen belästigen. Vielleicht war ich auch zu kritisch.

Ich bin froh, dass diese Mauer eingestürzt und die Steine weggeräumt sind. Gesundheit und Heilung fernab von Propheten und deren Jüngern ist einfach was Tolles.

Vor dem Wort, oder auch Vorwort

Wir wollen keinen ärgern, wir haben nicht die Wahrheit, wir haben keinen Missionsauftrag. Wir wollen keinen Dialog mit Ihnen, dafür gibt es bessere Möglichkeiten/Formate. Allerdings: f*c*book ist das nicht.

Aber eines sollten Sie bedenken: Was hier oft ehemalige Mitglieder und MItarbeiter von Freikirchen beschreiben, hat sich aus deren subjektivem Blickfeld so ereignet und in deren Leben Folgen gehabt. Massive, traumatische Erlebnisse resultierend in der Unfähigkeit ein selbstbestimmtes, zufriedenes Leben mit oder ohne einen Gott zu führen. Zweifel wurden in das Reich des “Bösen” verdammt. Gehorsam dem “Wort Gottes” gegenüber, verkündet durch DEN Pastor, das einzige was zählt. Diese Menschen wurden objektifiziert: Für zweifelhafte Ziele ge- und missbraucht.

Wir glauben, dass Menschen keine Objekte sind, die man beliebig für IRGENDWELCHE Zwecke einsetzen kann um das “Reich Gottes”, “Erweckung” und die “Wiederkunft des HErrn” nach vorne zu treiben. Und bevor der HErr wieder kommt, müssen ja alle Menschen einmal das “Evangelium” gehört haben.

Was da so passiert ist und immer noch täglich passiert ist, gelinde gesagt, “nicht schön”, das stellen wir, die Autoren, in vielen Einzelgesprächen immer wieder fest. Aber es ist an der Zeit das auch auszudrücken. Die “wahren” selbstzweifelfreien Gläubigen wird es sowieso nicht von dem “Weg der Wahrheit” abbringen. Aber vielleicht macht es dem ein oder anderen Mut sich auf die Suche zu machen, Zweifel zuzulassen, Menschlichkeit entdecken und einen (zeitweisen) Ausstieg zu wagen. Sich daneben stellen und mal reflektieren was man so die ganze Zeit gemacht hat.

Zeit für eine Zwischenbilanz.