Freikirchen und LGBTQ

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Nein, sie sind nicht alle so. Das was ich hier beschreibe, bezieht sich auf meinen Erfahrungsbereich: Brüdergemeinde und Charismatiker/Pfingstler.

Wir haben privat immer Kontakt zu Schwulen gehabt. Übrigens, wer “Homosexuelle” sagt, hat nie Kontakte zu Schwulen. Uns war immer irgendwie nicht klar warum diese reflektierten, im Allgemeinen liebenswürdigen Mitmenschen schlimmer im Sündigen waren als diese wohlhabenden Brüder in der ersten Reihe der Brüdergemeinde, obwohl Jesus doch mehr zu Geldliebe gesagt hat als zu Schwulen? Konnte uns bis heute keiner erklären.

Offene, gepredigte, widerspruchslose hingenommene Homophobie war übrigens einer der Gründe unsere letzte charismatische Gemeinde zu verlassen. Sinnigerweise predigte das ein lieber angeheirateter Verwandter aus Westafrika, zugezogen um die Freiheiten der deutschen Demokratie zu genießen.

Wie auch immer: Als Schwuler/Lesbe/Transe/??? hat man ganz schlechte Karten. Man wird toleriert, anfänglich auch noch liebevoll umgarnt. Vor allen Dingen wenn man noch nicht “BEKEHRT” ist.

Bekehrung ist der Vorgang wenn man sich mit Hilfe seines “Freien Willens” und einer hochemotionalen Ansprache des Predigers, oft in einer darauf spezialisierten Veranstaltung (Stichwort: Mission), dazu durchgerungen hat, seine Sünden zu bekennen, in dem man nach vorne geht (das diskretere Modell ist das Handzeichen bei geschlossenen Augen) und dieses unrechte Tun unter Tränen zu bekennen. Weil es ist ja eine “freie” Willensentscheidung. Die Alternative dazu wäre in die “Hölle” zu fahren.

Quelle: Netzfund

Es geht also um die Bekehrung. Bis dahin ist alles gut, der Blick des Schwulen ist halt “gehalten” und kommte noch nicht die “Wahrheit erkennen”.

Nach der Bekehrung wird es allerdings spannend: Schwul sein, rauchen und noch kiffend in einer Metalband ist das Worst-Case Szenario. Ab dann heißt es Abstand nehmen von den alten Gewohnheiten. Nicht alles sofort und auf einmal, aber so nach und nach. Man hat ja nun auch jeden Sonntag die Möglichkeit seine Sünden zu bekennen, worauf hin Gott “treu und gerecht ist. Übersetzt: Du wirst den ganzen Krempel los. Ergänzend dazu bietet sich an, das Gebet der Geschwister in Anspruch zu nehmen.

Sollte man das allerdings nicht in den Griff bekommt werden härtere Saiten aufgezogen. Neben dem grunsätzlichen infragestellen des Glaubensniveaus, Einzelgespräche, Gebetsgruppen und wenn alles nichts mehr hilft muss der Kandidat zum “Wüstenstrom”, welcher früher noch Konversionstherapien anbot.

Homosexualität ist eine Sünde, die man willentlich tut, also kann man auch willentlich damit aufhören. So wie Gummibärchen essen. Ein willentlicher Entschluss Gottes Willen (Heterosexualität) nicht zu tun, also zu sündigen. Es gibt zwar noch viele andere Sünden, aber die kann man ja heimlich tun. Schwulsein fällt irgendwann auf.

Grundsätzlich gilt: Wenn man etwas richtig will, dann schafft man es. Und wenn dann noch Gottes Hilfe dazu kommt, was kann da schon schief gehen?

Auffällig ist, dass das typisch neoliberales Gedankengut ist was in unserer Gesellschaft propagiert wird: “Du schaffst alles, Du muss nur hart genug (an dir) arbeiten” wird einem inzwischen an jeder Ecke zugerufen. Tja, und die, die es nicht schaffen? Selbst Schuld.

Vergessen wird, dass die Voraussetzung für diese Haltung der “Freie Wille” ist. Also die Möglichkeit ohne soziale, wirtschaftiche oder persönliche Einschränkungen und Angst vor wie auch immer gearteten Sanktionen Entscheidungen fällen können.
Die Theologie/-rie ist ja, das Gott uns einen “freien Willen” gegeben hat, weil er keine Marionetten will. Na gut, da kann man sich entscheiden: “Ewiges Leben” oder “ewige Gottesferne” aka Hölle. Ganz Schlaue werden sagen: “Wie? Du kannst Dich doch entscheiden, Du musst halt bloß mit den Konsequenzen in alle Zeiten Leben, einen freien Willen hast Du trotzdem”

Was ist das für ein Gottesbild? Was ist das für ein Menschenbild?


Ein wenig Hoffnung gibt es hier, was aber schon von Herrn Parzany beantwortet wurde.